Konzept

Der pädagogische Ansatz Körperbasiertes Lernen (Body Based Learning) wurde im Herbst 2006 von Mike Sandbothe (Hamburg) und Alexander Gröschner (Jena) erstmals theoretisch entwickelt. Das Konzept fußt auf der erziehungsphilosophischen Erkenntnis (z.B. von William James, John Dewey, Richard Shusterman), dass der menschliche Körper als primäres Instrument des Lehrens und Lernens im Verlauf der Entwicklung schulischer und universitärer Bildungsprozesse mehr und mehr in den Hintergrund geraten ist bei einer gleichzeitigen Vorrangstellung kognitiver Prozesse. Um die notwendige Balance von Körper und Geist in Lehr- und Lernprozessen – in einem pragmatistischen Verständnis – wieder herzustellen, beschäftigt sich der Ansatz Körperbasiertes Lernen mit der Fokussierung auf die Bedeutung des menschlichen Körpers. Die Bedeutung des Körpers bewusst zu machen und damit selbstreflexives und selbstreguliertes Lernen nachhaltig zu fördern, kann auf unterschiedliche Art und Weise geschehen:

  1. Introspektion: Zum einen greift Körperbasiertes Lernen auf bestehende körperphilosophische Ansätze und Körpertechniken wie die Alexander- Technik und Feldenkrais-Methode zurück, um den eigenen Körper den Lernenden selbst bewusst zu machen
  2. Extraspektion: Zum anderen nutzt Körperbasiertes Lernen die technischen Mittel der Videografie und Videoanalyse, um in bestimmten Situationen Lernenden ihr nonverbales und verbales Verhalten zu spiegeln und ihnen damit mögliche Perspektiven zur Veränderung ihrer Körperhaltung, Mimik, Gestik, Paralinguistik etc. zu bieten.

Beide Ansätze des Körperbasierten Lernens sind für Einzelpersonen bzw. Gruppen geeignet. Teilnehmer der Workshops sind vor allem Studierende, Referendare, MusikerInnen, TänzerInnen und SchauspielerInnen, LehrerInnen und Führungskräfte in Unternehmen, also Menschen, die sich oft in Situationen befinden, in denen sie sich selbst präsentieren müssen, ihren Körper damit bewusst einsetzen und die ihr Auftreten und ihre Selbstregulationskompetenz durch Körperbasiertes Lernen schulen und verbessern möchten.

Definition:

Körperbasiertes Lernen (oder auch body based learning, kurz: BBL) ist ein Sammelbegriff für Lerntechniken und -strategien, die einen handlungsorientierten, ganzheitlichen und bewussten Umgang mit dem (eigenen) Körper fokussieren. BBL-Techniken intensivieren das balancierte Zusammenspiel von emotionalen, muskulären und mentalen Ressourcen methodisch gezielt und helfen somit, die Kooperationsfähigkeit, Kreativität und moralische Sensibilität von Menschen zu stärken. Eine an BBL ausgerichtete Pädagogik betrachtet den Körper als Medium des Lernens mit sensomotorischer Apperzeption in einer natürlichen, energetisch offenen und ökologisch sensiblen Lernumgebung, in der nachhaltige Erfahrungen gemacht und intelligente Formen der Interaktion eingeübt werden können. (Gröschner & Sandbothe, im Druck)

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© 2008-09  Alexander Gröschner & Mike Sandbothe